Zurück zu Gartengestaltung im Außenbereich für den Garten mit Charakter

Gärten der Provence: Gestaltungslehren für den eigenen Garten

Das provenzalische Hinterland ist nicht die Côte d’Azur mit weniger Meer. Wer sich von der Küste entfernt, Richtung Marseille, Aix, Avignon und Toulon, erlebt trockenere Luft, größere Temperaturschwankungen, und manche Art, die bei uns an der Riviera-Küste gut steht, funktioniert dort nicht mehr. Was sich durch die ganze Region zieht, ist stattdessen die Brandgefahr, und daraus stammen die am ehesten übertragbaren Lehren.

Wir sind diese Gärten mit derselben Frage abgegangen wie anderswo: was lässt sich auf einen wirklich bewirtschafteten Betrieb übertragen, und was bleibt allein dem Besuchergarten vorbehalten? Dieses Heft ergänzt jenes zur Côte d’Azur, mit einem anderen Klima und einem anderen roten Faden.

Was sich abseits der Küste ändert

Das Küstenklima um Nizza oder Menton dämpft Extreme: milde Winter, verbleibende Feuchtigkeit, moderate Schwankungen. Zwanzig bis fünfzig Kilometer landeinwärts fehlt dieses Polster. Sommer sind trockener und heißer, Winternächte kälter, der Wind beständiger. Eine an der Riviera-Küste als sicher mediterran geltende Pflanze kann weiter im Landesinneren aus dem gegenteiligen Grund leiden: nicht Kälte, sondern der Verlust jener Restfeuchte, die an der Küste unbemerkt eine unzureichende Bewässerung ausglich.

Das ist die erste Lehre dieser Besuche: niemals eine Pflanzenwahl von einem Klima ins andere übertragen, ohne zu prüfen, was im ersten Klima die Arbeit übernahm, die eigentlich das Gießen allein leisten sollte. Ein einfacher Test besteht darin, vor jedem Kauf die Klimadaten beider Orte zu vergleichen, statt sich auf ein gemeinsames Etikett „mediterran » zu verlassen.

Was wirklich übertragbar ist: die Brandgefahr

Das Département Bouches-du-Rhône zählt zu den am stärksten waldbrandgefährdeten Gebieten des Mittelmeerraums, mit über dreihundert Brandausbrüchen im Jahr. Auch der Var ist stark betroffen: der Zugang zu den Wäldern ist dort geregelt und wird im Sommer täglich veröffentlicht. Diese Beschränkung kennt auch die Riviera-Küste, doch hier bestimmt sie den Gartenalltag weit mehr als nur die Besuchszeiten.

Zwei Punkte haben uns beeindruckt, trotz des anderen Klimas wirklich auf unseren eigenen Betrieb übertragbar.

Der erste betrifft Grünabfälle. Das offene Verbrennen von Grünabfällen ist seit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz vom 1. Januar 2015 grundsätzlich untersagt; Kompostierung, Häckseln oder die Abgabe bei kommunalen Entsorgern sind die vorgesehenen Wege, wobei einzelne Länder, Kreise und Gemeinden Ausnahmen zulassen können. Auf Betrieben mit großen Schnittgutmengen ist das nicht nur eine Vorschrift, sondern auch eine Frage der Brandlast. Ein trockener Holzstapel an einem Gebäude oder am Rand des Geländes ist bei einem nahen Brand nie neutral. Die Kompostierung und Wiederverwendung vor Ort, die wir in mehreren dieser Gärten beobachtet haben, verringert diesen Bestand, statt ihn anwachsen zu lassen. Genau diese Logik verfolgen wir selbst: nichts wird auf ein hypothetisches Verbrennen hin gestapelt, alles wird oberflächlich verrottet oder gehäckselt.

Der zweite Punkt betrifft die Räumpflicht. Grundstücke in oder nahe Waldgebieten unterliegen in Frankreich einer gesetzlichen Pflicht zur Vegetationsräumung, die sich nicht mit einem einzigen Durchgang erledigt, sondern dauerhaft gepflegt werden muss. Viele Eigentümer entdecken diese Pflicht erst im Nachhinein. Ein Betrieb, der sie von Beginn an mitplant, mit freien Pufferzonen um Gebäude, erspart sich später eine teure Nachbesserung.

Die deutsche Entsprechung, und wo sie abweicht

Deutschland kennt kein Waldbrandrisiko in der Größenordnung des provenzalischen Hinterlands, aber dieselbe Logik gilt, und die deutschen Verhältnisse verändern sich. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht einen Waldbrandgefahrenindex mit fünf Gefahrenstufen, der den Landesbehörden zur Einschätzung der Waldbrandgefahr dient, ein reales und in trockenen deutschen Sommern wachsendes Thema.

Beim Grünschnitt gilt seit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz von 2015 ein grundsätzliches Verbrennungsverbot; wer Laub und Grünabfälle im Garten verbrennt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann, sofern die Kommune keine Ausnahme vorsieht. Kompostierung bleibt der bevorzugte Weg, genau das Prinzip, das wir in diesen provenzalischen Gärten beobachtet haben: den Bestand verringern statt den Brand zu verwalten.

Sieben Orte, sieben Lehren

Marseille: mehrere Pflegeniveaus auf einem Gelände

Der Parc Borély und der botanische Garten Heckel zeigen eine klassische Achse, verbunden mit einer nach Lebensraum geordneten wissenschaftlichen Sammlung. Die Campagne Pastré, heute vom Nationalpark der Calanques verwaltet, zeigt etwas anderes: eine Pflege, die sich mit wachsendem Abstand vom Gebäude bewusst lockert, bis sie in unberührte Garrigue übergeht. Eine direkt übertragbare Lehre auf einem großen Betrieb: nicht jede Fläche braucht dasselbe Pflegeniveau, und zu entscheiden, wo es sinkt, ist eine Gestaltungsentscheidung, kein Nachlassen. Siehe die Übersicht der Marseiller Parks und die Campagne Pastré.

Aix-en-Provence: die Wasserkette vor dem Entwurf

Die Bastide de Romégas und die Jardins d’Albertas machen beide dasselbe klar: ein alter provenzalischer Garten funktioniert, weil dem sichtbaren Entwurf ein System zur Wasserzufuhr und -verteilung vorausgeht. Die Form zu kopieren, ohne dieses System zu verstehen, ergibt einen Garten, der den ersten trockenen Sommer nicht übersteht. Die Restaurierung der Jardins d’Albertas dokumentiert genau diese wasserbauliche Arbeit vor der Bepflanzung. Siehe Jardins d’Albertas und den Jas de Bouffan.

Avignon: rekonstruieren, nicht erfinden

Die Gärten des Papstpalasts wurden anhand dokumentierter Quellen rekonstruiert, nicht aus ästhetischer Intuition. Eine übertragbare Disziplin für die Wiederherstellung jedes alten Gartens auf dem eigenen Betrieb: erst suchen, was wirklich existierte, bevor man zeichnet, was gefällig wirkt. Siehe die Gärten zur Zeit der Päpste.

Toulon: Domaine du Rayol, begleiten statt festlegen

Das Domaine du Rayol ordnet seine Gärten nach großen Weltklimazonen, jede nach eigener Logik geführt, statt auf einen einzigen Standard gebracht. Die Lehre ist methodisch: begleiten, was ein Boden und ein Klima möglich machen, statt überall auf dem Gelände denselben Plan durchzusetzen. Siehe den Jardin des Méditerranées.

Einen nützlichen Besuch planen, mit der Brandgefahr im Blick

Im provenzalischen Hinterland hängt der Zugang zu manchen Orten stärker als anderswo direkt vom Brandrisiko des Tages ab. Der Var veröffentlicht im Sommer täglich eine Karte des Waldzugangs, und Marseille gibt eigene Warnungen zur Brandgefahr heraus. Manche Gärten können an einem Tag mit starkem Wind ohne Vorwarnung schließen. Prüfen Sie stets die offizielle Seite des Betreibers, niemals eine in einem Artikel festgeschriebene Öffnungszeit.

  • Wählen Sie ein oder zwei Orte, keine Tour über sechs Adressen an einem Tag.
  • Achten Sie an jedem Ort darauf, wo sich das Pflegeniveau ändert, oft die lehrreichste Grenze.
  • Beobachten Sie, wie jeder Garten sein eigenes Schnittgut behandelt, selten ausgeschildert, aber oft am Grundstücksrand erkennbar.
  • Prüfen Sie auf einem bewaldeten Grundstück vor der Anreise, ob eine Räumung oder Waldsperrung im Gange ist.

Häufige Fragen

Übersteht eine an der Côte d’Azur bewährte Pflanze das Landesinnere?

Nicht automatisch. Die Küste liefert eine Restfeuchte, die dem Landesinneren fehlt. Vergleichen Sie die Klimadaten des eigenen Standorts, bevor Sie eine anderswo bewährte Wahl übertragen.

Reicht Kompostierung vor Ort allein, um die Brandgefahr zu senken?

Sie senkt einen realen Faktor, den Bestand an trockener Biomasse, ersetzt aber nicht eine gesetzliche Räumpflicht, wo sie gilt. Beides ergänzt sich.

Darf man Grünschnitt in Deutschland verbrennen?

Grundsätzlich nicht, seit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz von 2015; Kommunen können in begründeten Fällen Ausnahmen zulassen. Kompostierung oder kommunale Sammlung sind der vorgesehene Weg.

Offizielle Quellen

Verfasst und geprüft von , zertifizierter Bio-Landwirtschafts- und Obstbaubetrieb in Nizza, Frankreich.